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Interview

SPARKADIA

“Wir wurden aus dem Haus geschmissen, weil wir zu laut waren”

25. August 2008 | Von Silke Winkler | Kategorie: Interview

Die australische Band SPARKADIA war im Januar noch mit JIMMY EAT WORLD auf Tour und nun kam sie für ein paar Konzerte als eigener Headliner nach Deutschland. Am 12/08 2008 spielten SPARKADIA im Headcrash in Hamburg. Wir nutzten die Gelegenheit und sprachen mit ihrem Sänger Alex.

Alex (SPARKADIA) und Silke (ONE IN A BILLION)

OIAB: Wann kamen SPARKADIA zusammen? Wo habt ihr euch kennengelernt?

Alex: Ich kenne Dave seit ich ein Kind war. Wir gingen zur selben Schule. Als wir noch Jungs waren, haben wir angefangen Musik zusammen zu spielen. Ich hab schon als Baby eine Show gespielt, aber das war nicht wirklich toll. Dann haben wir angefangen in einer Rockband zu spielen. Dave war der Schlagzeuger. Wir spielten schlechte Nirvana-Covers und spielten zuerst in der Schule. Und dann 2002/2003 haben wir uns wieder getroffen und haben noch mehr Musik an der Universität gespielt, weil wir Kunst studiert haben und das ist ein Studium bei dem man viel Freizeit hat, um das zu tun, was man tun will. Da haben wir dann angefangen Songs zu schreiben und haben diese großartigen Bands entdeckt, von denen wir noch nie was gehört hatten, weil wir nicht genügend Brüder und Schwestern hatten, die uns das vermittelt hätten. Wir waren Kinder der 90er und sind mit Grunge aufgewachsen. Aber da war ein Secondhand Plattenladen direkt um die Ecke meines Hauses. Die verkauften Platten oder Vinyls für 1 Dollar, was ungefähr 1 EUR ist, pro Vinyl. Wir sind da jede Woche hingegangen und haben sie in 10er Packs gekauft und sie regelrecht aufgesaugt. Wir haben alles gekauft, von merkwürdiger Soundtrackmusik bis COSTELLO, 80er Hits oder NEW ORDER. Nach dem Songschreiben haben wir dann ein paar Demos aufgenommen, die dann im Radio gespielt wurden und dann haben wir einen Plattenvertrag bekommen und dann mussten wir Shows spielen und dann, hier sind wir.

OIAB: Wow, das ging dann ja am Ende alles ziemlich schnell.

Alex: Ja, ich meine, wir haben am Anfang für viele Jahre Songs geschrieben, aber seit ungefähr 2007, wo wir den Vertrag bekamen und Songs im Radio hatten, ist es verrückt gewesen.

OIAB: Wie seid ihr zum Bandnamen gekommen? Und was bedeutet er?

Alex: Da gibt es mehrere Mythen und Geschichten zu. Als wir uns am Anfang SPARK nennen wollten, gab es schon 10 andere Bands auf der Welt die SPARK hießen und es gab diese 60er Metal Band die meinten wir sollten uns lieber nicht so nennen, weil sonst… die waren ziemlich bedrohend. Und keiner will sich mit Leuten aus Texas anlegen. Nun ja, deshalb fügten wir ein „-adia“ hinzu. Außerdem kommt es in einem Gedicht vor, was jemand mal für mich geschrieben hat. Also, so oder so ist es eine Art Ort oder so was. Aber es kann auch das sein, was es deiner Meinung nach sein sollte.

OIAB: Ich habe gelesen, dass ihr jeden Song in einer anderen Stadt in den vergangenen vier Jahren geschrieben habt. Bitte erzähl uns ein paar Sätze zu jedem Lied und sag uns worum es darin geht und in welcher Stadt er geschrieben wurde.

Alex: Klar, sicher. „Too much to do“… Zu jedem Lied auf dem Album?

OIAB: Ja.

Alex: Ok.

"Wir wurden aus dem Haus geschmissen, weil wir zu laut waren." (Alex zum Song "Too much to do")
“Wir wurden aus dem Haus geschmissen, weil wir zu laut waren.” (Alex, SPARKADIA)

“Too much to do”: Ich erinnere mich, dass wir in Sydney waren. Und Dave und ich spielten in seiner Garage, weil wir aus dem Haus geschmissen wurden, weil wir zu laut waren. Und die Garage war voll mit Gartengeräten und so ein Zeugs und es stank. Es war Sommer und richtig heiß und irgendwie in der Zeit kam das Lied zustande.

„Kiss of Death“ wurde im Flugzeug auf dem Weg zum Studio geschrieben, weil wir nicht genügend Lieder hatten. Wir hatten nur 10 Stück, brauchten aber 13. Also haben wir nur geschrieben, geschrieben und geschrieben. Ich habe ständig irgendwas diktiert und so fügte sich dann alles zusammen. Somit hat dieses Lied keinen richtigen Entstehungsort. Zwischen Sydney und London. Vielleicht Kasachstan oder irgendwas.

„Morning Light“ ist ein Lied, das wir vor langer Zeit geschrieben haben. Ich glaube es war Bondi beach. Wir saßen am Strand und es war das erste Mal, dass wir irgendwie einen Song zusammen geschrieben haben und wir dachten „Wie geht das? Oh, ja, du hast eine Strophe und einen Refrain…“ und ja, irgendwie fügte sich alles zusammen.

„Help yourself“: Melville. Ich besuchte ein Mädchen und sie hatte diese Schreibmaschine. Ich mochte das Mädchen und so sagte ich: „Ich will mir deine Schreibmaschine ausleihen.“. Die Schreibmaschine bekam ich, das Mädchen nicht.

„Connected“ war in Paris. Vor 2 Jahren reiste ich herum, um die Welt zu sehen und ich verbrachte ein paar Tage, vielleicht 10 Tage, in Paris. Da waren Akkordeonspieler und ich ging in Jazz Pubs und spazierte die Saine entlang und ich denke das war alles ziemlich inspirierend.

„Our Own Way“: Ich kann mich nicht daran erinnern, wo der Song geschrieben wurde, aber ich erinnere mich daran, dass wir es zum ersten Mal irgendwo in westlichen Australien gespielt haben.

„Animals“: UK, London. Es gab diesen Satz, mit dem wir immer rumgealbert haben und der sich um einen Club in Sydney drehte. Es ist ein Indie-Club und jeder der da hingeht, will sich eigentlich nur betrinken und tanzen. Ich war mal eine Nacht da und stand in der Schlange und die Leute um mich herum haben sich übergeben, waren betrunken und genervt und bekamen zuviel. Ich dachte nur: „Was ist das hier? Oh mein Gott. Das ist ekelhaft. Diese Leute haben keinen Respekt mehr.” und am Ende des Abends war ich einer von ihnen.

„Up in the Air“: Ich kann mich nicht daran erinnern, wo das geschrieben wurde. Es ist ein sehr altes Lied.
Was kommt danach? Ach ja, “The Last Thing You Need”. Das war wohl… wahrscheinlich wieder in Paris.

„Jealousy“: Ähm… Ich versuchs ja. Das Ding ist, dass alle in verschiedenen Städten geschrieben wurden und ich mich nicht an jede Stadt erinnern kann, aber oft an Plätze, wie ein Zimmer etwa, oder den Zusammenhang. Aber „Jealousy“ ist der schnellste je geschriebene Song von uns. Es hatte bloß 2 Minuten gedauert. Das Ganze kam einfach raus. Ja, definitiv.

“Space & Time”: Das war während der Reise.

„Sleeping Lion“ wurde im Studio geschrieben. Das haben wir an einem Tag gemacht und dann war’s fertig.

OIAB: Wie funktioniert euer Songschreibprozess genau?

Alex: Kommt drauf an. Ich denke, oft wie eine lyrische Idee, wie ein Konzept, das zustande kommt. Wie die Nacht sich in „Animals“ verwandelt hat. Da war eine Schlägerei und die ganze Idee kam von da. Aber es kommt echt drauf an. Manchmal ist es eher eine Melodie oder eine Akkordsequenz die Sinn macht. Manchmal ist es ein Beat, wie bei „Help yourself“ das „dub dub dub“, das dann wiederholt wurde. Ich denke, wir versuchen es, dass jeder Song zählt und nicht wie diese „I miss you“-artigen Songs wird.

OIAB: Wie wichtig sind euch die Texte?

Alex: Ja, sehr. Sie handeln alle von Menschen, die ich kenne. Also könnte es auch passieren, dass du in einem Lied landest, wenn du nicht aufpasst (lacht). Wir müssen von Herzen schreiben, denn wenn man sich diesem Leben hingibt, ist es als wenn du 23 ½ Std. auf das hinarbeitest, was sich für eine halbe Stunde auf der Bühne abspielt. Daher willst du nicht Lieder singen, die dir nicht irgendwie persönlich wichtig sind. Es ist wie eine Therapie manchmal, auf die Bühne zu gehen und alles raus zu lassen.

OIAB: In einem Song klingt ihr wie SNOW PATROL…

Alex: Oh, ja?

OIAB: … und in einem anderen wie PHIL COLLINS.

Alex: PHIL COLLINS? Welches Lied ist das?

OIAB: „Jealousy“.

Alex: Oh, „Jealousy“, ja. Cool.

OIAB: War das Absicht? Was sind eure Einflüsse?

Alex: Nicht wirklich. Oh, es gibt hunderte Einflüsse. Unsere Plattenfirma würde da ELVIS COSTELLO nennen, aber es gibt hunderte.

OIAB: Also irgendwie alle Vinyls, die ihr früher gekauft habt?

Alex: Ja, ich denke schon. Wir haben viel von der Vergangenheit. So haben wir zum Beispiel einen Stimmeffekt von PHIL COLLINS genommen (lacht), eine Basslinie von NEW ORDER und einen Gitarrensound von THE POLICE. Ich kannte SNOW PATROL nicht bevor wir das Album aufgenommen haben. Die waren nicht so groß und wir haben das Album vor 9 Monaten oder so aufgenommen, vielleicht sogar früher, aber egal. Cool. Ich höre übrigens heute noch gerne PHIL COLLINS, aber es ist ziemlich kitschig das zuzugeben. Es ist ja wie mit einem Vergnügen mit Gewissensbissen. Ich weiß, ich sollte ihn nicht mögen, aber es ist nett.

OIAB: Ihr arbeitet mit IVY LEAGUE zusammen. Ist es da noch immer möglich eure eigenen Entscheidungen zu treffen?

"Wir haben uns gegen das große Geld entschieden." (Alex, SPARKADIA)
“Wir haben uns gegen das große Geld entschieden.” (Alex, SPARKADIA)

Alex: Wir haben ja auch noch eine Plattenfirma in UK und Europa. Es ist ein independent Label, was bedeutet, dass wir kein Geld haben, aber wir können dafür tun und lassen, was wir wollen. Wir wollen nicht mit jemanden arbeiten, der sagen könnte: „Oh, deine Haare sollten aber eher lang sein.“, oder so. Also, ja, wir können tun, was wir wollen und sie müssen uns tun lassen, aber das ist ja auch gerade der Punkt. Es ist aussichtslos sich in eine Ecke drängen zu lassen, in der du dich nicht künstlerisch entfalten kannst oder du nicht an das glaubst, was du tust. Also haben wir uns gegen das große Geld entschieden, obwohl wir die Möglichkeit hatten.

OIAB: Geht ihr auch normal arbeiten?

Alex: Relativ. Wir sind jetzt seit 4 oder 5 Monaten ohne Pause auf Tour und eine normale Arbeit ist dabei unmöglich und wir versuchen auch Vollzeit-Musiker zu sein. Es allerdings sehr schwer, weil es eine andere Welt geworden ist, in der die Menschen nicht mehr so viele CD’s kaufen. Aber die Leute gehen stattdessen häufiger zu Konzerten und involvieren sich mehr, so kommt es mir zumindest vor. Also, ja, ich denke, es wird uns gut gehen. Ich glaube, wenn man das tut, was man liebt, dann hofft man immer, dass man auch genug Geld damit verdienen kann. Aber wenn wir das große Geld hätten machen wollen, dann hätten wir gesagt: „Wir werden bei der Bank arbeiten“, oder so etwas langweiliges, wie ein Auto kaufen, oder ein Haus oder so.

OIAB: Wie war die Tour mit JIMMY EAT WORLD?

Alex: Großartig. 30 Konzerte in 45 Tagen und davon 8 in deutschen Städten, also auch in Hamburg, und es war wirklich toll. Sie wollten keine Emo, Screamo oder Punk Band, sie wollten eine Indie oder Pop Band und haben unser Album ausgewählt. Sie waren begeistert und ich fühle mich geehrt. Ja, es war klasse. Sie sind so eine große Band. Vor 5000 Leuten am Abend zu spielen war verrückt. Und sie waren wirklich auch noch sehr liebenswert. Richtig großzügig.

OIAB: Was war das lustigste Ereignis während der Tour?

Alex: Wir haben Nick, unseren Bassisten, in Berlin verloren. Wir sind weggegangen und gingen in ein paar Bars und trafen einige Leute und tranken den ganzen Tag. Wir mussten am nächsten Tag früh raus, um in eine andere Stadt irgendwo in Deutschland zu fahren und er kam 6 Stunden zu spät. Während der Nacht meinte er dann er fühle sich krank und ich fragt ihn was er die ganze Zeit gemacht hätte und er sagte: „Trinken“. Ich fragte was er getrunken hätte und er antwortete: „Wodka Red Bull“. Also denke ich, dass er ein paar zu viele davon hatte und sein Herz einfach… Nun ja, das ist das Tourleben.

OIAB: Wie war die Show danach?

Alex: Nun, ich kann mich nicht wirklich dran erinnern, aber jeder hat diese Momente. Sie sind ziemlich intensiv. Jeder hat seine Hoch- und Tiefpunkte auf Tour. Aber während der Show wirds immer besser.

OIAB: Wie fühlt es sich an der Tour mit JIMMY EAT WORLD jetzt selber Headliner zu sein?

Alex: Es ist schon komisch. Ich meine, in Australien haben wir auch große Shows und sind Headliner, aber es ist großartig nach Europa zu kommen. Wir lieben es hier. Aber es ist ein bisschen entmutigend wieder von vorne anfangen zu müssen. Keiner scheint uns zu kennen. Aber wir wollen so oft wie möglich wiederkommen solange sich Leute für uns interessieren. Es ist komisch, man spielt in Glastonbury vor 10.000 Leuten, dann spielt man ein Konzert für 50 Leute, um dann in Australien wieder vor 1.000 Leuten zu spielen. Also ist man nicht mehr wirklich aufgeregt. Man tut nur das, was man tun muss und der Rest ist Glück, Schicksal oder Radio.

OIAB: Welches Album steckt derzeit in deinem CD-Player?

Alex: Vieles, MGMT, BUDDY HOLLY, Best of NEW ORDER. Zwei andere noch, NICK DRAKE und JUDY GARLAND.

OIAB: Was sind eure Pläne für die nächsten Monate?

Alex: Nun, wir werden zurück nach Australien gehen und dort eine große Tour spielen. Und dann, keine Ahnung. Ich denke wir werden noch mal hier her zurück kommen und hier und in den UK etwas mehr touren, dann noch mal Australien und Amerika und dann wieder Europa und Australien… und irgendwann zwischendurch das neue Album schreiben und es irgendwo, an einem coolen Ort aufnehmen, vielleicht Berlin oder New York oder noch mal in London. Dann werden wir wahrscheinlich genau dasselbe noch mal von vorne machen und für weitere 3 Monate unseres Lebens touren. Aber wir wollen auf jeden Fall so schnell wie möglich zurückkommen. Deutschland fühlt sich richtig für uns an. Jeder war hier ziemlich ehrlich zu uns und ihnen gefiel das Album. Sie haben nach den Konzerten mit uns geredet und yeah, es war großartig. Ich denke, London ist da anders. Die Leute dort sind irgendwie zu cool. Hier sind die Leute bodenständiger.

OIAB: Vielen Dank!

Alex: Gern geschehen!

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