Review

THE DRUMS – „The Drums“

6. Juni 2010 | Von Sven Dührkop | Kategorie: Review

The Drums_The Drums
Die im Februar veröffentlichte EP „Summertime!“ konnte vor lauter Heavy Rotation noch nicht einmal aus dem Abspielgerät herausgenommen werden, da beglücken die vier New Yorker ihre Fans bereits mit ihrem ersten vollständigen und selbstbetitelten Album „The Drums“. Beim Blick auf die Tracklist gibt es gleich die erste Überraschung: nur zwei Lieder von „Summertime!“ wurden für die Neuveröffentlichung übernommen – also darf man gespannt sein auf zehn brandneue Songs, die allerdings nach Angaben der Band zur gleichen Zeit aufgenommen wurden wie die EP-Kompositionen. (Mehr dazu im bald hier auf One In A Billion erscheinenden Interview mit der Band!)
Als das MOTOWN-Label in den frühen Sechzigern zum Höhenflug abhob, war seine Erfolgsformel unter der Abkürzung K.I.S.S. zusammengefasst – Keep It Simple, Stupid! Genau diese Taktik machen sich nun THE DRUMS zunutze. Damit sind sie nicht die ersten in der jüngsten Vergangenheit – allerdings sind sie die ersten, die dieses Konzept übernehmen und dabei, anders als etwa THE XX, eine große Portion Leichtigkeit vermitteln. Gleich das erste Lied „Best Friend“ knallt dem Hörer einzig eine hüpfende Basslinie und ein äußerst einfaches Gitarrenriff um die Ohren – ergänzt durch Jonathan Pierces gesungene Erzählung über einen verstorbenen besten Freund. Das alles wird dem Hörer beinahe überschäumend fröhlich dargeboten. Ganz so wie THE SMITHS in ihren besten Zeiten vermögen es THE DRUMS textliche Depression mit einer unwiderstehlichen Popuntermalung zu verzieren. Diese ironische Brechung kann in die Hose gehen – allerdings nicht hier! Zu intelligent sind die Songs strukturiert, die Texte zu detailverliebt konzipiert und zu sehr spürt man die Leidenschaft der Musiker in jeder angeschlagenen Achtelnote. Ein weiterer Beweis hierfür ist das Pop-Juwel „Book Of Stories“. Hier singt Jonathan Pierce die Zeile „I thought my life would get easier, instead it’s getting harder without you“, und man möchte die ganze Welt umarmen und wild tanzen. Die zweite Singleauskopplung des Albums, „Forever And Ever, Amen“, stößt in dieselbe Kerbe – simple Bassnoten, ein einfaches Picking, ein treibender Drum-Rhythmus und eine Melodie zum Niederknien entfachen so viel Energie, dass man seine Lautsprecher auf den Balkon stellen möchte und das dumpfe Radio der Nachbarn und alle sonstigen Nebengeräusche des Alltags damit betäuben möchte. Natürlich hören sich THE DRUMS dabei an wie eine Mischung aus Heldenbands der Achtziger – aber Popmusik besteht wie jede kreativ-künstlerische Ausdrucksform seit ihren Ursprüngen aus Referenzen und keine Band oder Musikrichtung kann sich dem entziehen. Worauf es also ankommt, ist die Originalität und die Verve, mit der man diese Referenzen miteinander vereinbart. Das wusste bereits Shakespeare und auch die vier New Yorker sind glücklicherweise klug genug, sich dessen bewusst zu sein.
THE DRUMS machen also grandiosen Pop! Diese Band als Indiewunder einzuordnen, ist riesengroßer Quatsch, denn so wie dieses Album sollte sich populäre Musik anhören – einfach, wirkungsvoll, liebevoll produziert und vor allem endlich wieder einmal intelligent. Dies lässt sich sowohl auf der EP „Summertime!“ (mit vielen weiteren großartigen Songs, wie etwa „I Felt Stupid“) und auf dem ersten Album bewundern. Und das kann und wird auch für immer und ewig so bleiben, Amen!

Release Date

04.06.2010

Rating (10 von 10)

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