Review
SHOUT OUT LOUDS “Work”
3. März 2010 | Von Sven Dührkop | Kategorie: Review
Drei Jahre sind seit dem berauschenden “Our Ill Wills” vergangen und noch immer sind die Shout Out Louds recht unbekannt. Wo ärgerliche Skandinavienbands, wie Mando Diao, bereits Mainstream-Radiostationen und Schenkelklopf-Fernsehsendungen besetzen, fristen die fünf Stockholmer ein vergleichbar kümmerliches Randdasein. Dies soll nun augenscheinlich mit ihrem dritten Album „Work“ geändert werden. So bekamen Fans vorab die Single Walls als Download geschenkt und wurden darüber hinaus kurze Zeit später durch die zweite Auskoppelung Fall Hard beglückt. Allein diese beiden Songs machten großen Appetit auf die folgende LP. Wo sich Walls beständig mitreißend steigert, um dann glücksselig im Aufruf „So run away, run, run, run, run, run!“ zu kulminieren, stellt Fall Hard den radiotauglichsten Song des Albums – vielleicht ein wenig zu kalkuliert und dadurch zu bemüht durch den Einsatz von Bläsern und einen Ohrwurm-Refrain, der immerhin momentan seines gleichen sucht. Woran liegt es nun also, dass sich das Herz dem Rest von „Work“ nicht so öffnet, wie es dies bei den Vorgängeralben tat?
„This is who I ever was and always been/ (…) somehow just corrected, polite and defected“ heißt es im ersten Lied 1999 und genau hier scheint das Problem zu liegen. Wenn Adam Olenius auf den ersten beiden Alben noch schmachtete, flehte und mit seiner Stimme und ihrer Ähnlichkeit zu Robert Smith kokettierte, klingt sie auf „Work“ sehr glatt gebügelt – corrected und ein wenig zu polite eben und dies tut der gesamten Band nicht gut. Es scheint sogar, dass die allzu gefällige Präsentation der Songs dazu führt, Unzulänglichkeiten in den Bereichen des Songwritings und der Texte aufzudecken. So muss konstatiert werden, dass einige Lieder geradezu trist daherkommen – Throwing Stones ist sowohl textlich als auch musikalisch lahm, Paper Moon überzeugt auch nicht beim fünften Durchlauf, Too Late Too Slow ist ein wahrer Rausschmeißer aus dem Album, der dafür sorgt, dass man beinahe froh sein möchte, wenn die Nadel ausläuft. Generell überzeugt eher die A-Seite mit den beiden Singles und dem todtraurigen The Candle Burned Out. Auf der B-Seite gefallen vor allem das sehr puritanische und dadurch sehr bewegende Four By Four und mit Abstrichen die Phoenix-Reminiszenz Show Me Something New (das musicalhafte Radio-Gaga-Zitat hätte hier jedoch nicht sein müssen). Doch auch wenn die Musik mitreißt und die Band sich zu alter Form aufschwingt, fällt auf, dass der Frontmann Olenius im Gegensatz zu „Our Ill Wills“ nicht nur stimmlich, sondern auch textlich abgebaut hat. A(li)bi-Lyrik wie „(…) the sun never sets around here/that is what we wait for all year“ (1999) ist nicht vergleichbar mit den Herz zerreißenden Kitchen-Sink-Dramen der Vorgängeralben (man vergleiche hierzu die Lieder Please Please Please, You Are Dreaming oder Impossible).
So läuft das Album nach all den Vorschusslorbeeren der Singles ein wenig verloren am Ohr vorbei und wäre in Gefahr, im Nirvana der Belanglosigkeit zu enden, wären nicht Bonbons wie Walls, Four By Four oder The Candle Burned Out enthalten. Was schließlich die Hoffnung auf Besserung am Leben erhält, ist die Zuversicht, dass „Work“, so wie seine Vorgänger, immer noch das Potenzial hat, im Hörgenuss zu wachsen. Man möchte die sympathischen Shout Out Louds ja mögen und gönnt ihnen jeglichen Erfolg, nur eben nicht so „corrected, polite and defected“.
Release Date
26.02.2010Rating (7 von 10)
★★★★★★★★★★

