Live
DASHBOARD CONFESSIONAL @ Prinzenbar (Halle), Hamburg 05/02 2010
Sie schafften eine Atmosphäre aus dem Nichts
10. Februar 2010 | Von Silke Winkler | Kategorie: Live
Tage vor dem Konzert begann ich schon nervös zu werden. Positiv nervös versteht sich. Voller Vorfreude sicherte ich direkt Tickets für dieses Akustikkonzert. Damals hieß es, es finde in der Prinzenbar statt. Einige Tage später erhielt ich dann allerdings eine Nachricht vom Ticketmaster, dass das Konzert abgesagt wurde. Warum auch immer. Gott sei Dank stellte sich später heraus, dass es ein Irrtum war und das Konzert doch stattfindet. Zum Glück hatte ich meine Karten behalten, denn ein paar Tage später war das Konzert dann auch schon ausverkauft. Kurz darauf erhielt ich eine zweite Nachricht vom Ticketmaster, dass das Konzert kurzfristig in die Prinzenbar (Halle) verlegt wurde. Da stellte sich mir die Frage, warum man für ein Akustikkonzert die Halle mit der riesigen Bühne wählt? Die Prinzenbar selbst hätte perfekt gepasst. Die Prinzenbar würde eine gemütliche, Künstler-nahe und romantische Atmosphäre schaffen, indem der Künstler auf einer 50 cm hohen Bühne steht und Stuck und Skulpturen die Wände schmücken. Die Prinzenbar (Halle) ist das genaue Gegenteil. Die Bühne ist fast 2 m hoch, und die Halle selbst (was ja das halbe Docks ist) ist sehr karg, kalt, ungemütlich und einfach riesig, obwohl sie abgetrennt wurde.
Und trotz alledem haben John Lefler und Chris Carrabba von Dashboard Confessional es in der ausverkauften Halle gemeistert eine Nähe zum Publikum aufzubauen. Sie schafften eine Atmosphäre aus dem Nichts. Durch ein unglaublich abgestimmtes, herausragendes und bezauberndes Gitarrenspiel und einem kräftigen und doch sensiblen Gesang, durch den man jeden im Song beschriebenen Schmerz mitfühlt, wurden selbst in dieser etwas sterileren Räumlichkeit die Zuschauer zusammengeführt und hatten das Gefühl ein Teil eines ganz besonderen Moments zu sein. Leider gab es wie fast überall auch hier Menschen, die solche Konzerte und solche Momente nicht zu würdigen wissen und obwohl sie die Musik anscheinend nicht mögen, trotzdem solche Konzerte besuchen. So gab es hier sehr viele, die es für sinnvoll hielten die ruhigeren Passagen der Songs, und davon gibt es bei einem Akustikkonzert ja nun mal mehrere, für Unterhaltungen zu nutzen.
Die Songwahl von Dashboard Confessional war für meinen Geschmack wirklich gut. In der Konzertankündigung stand, dass sie ihr neues Album vorstellen würden, aber ich finde mit vier Liedern vom neuen Album kann man nicht wirklich von einer Vorstellung dessen sprechen. Stattdessen präsentierten sie uns alle Hits. Man hatte das Gefühl, dass es eher eine Präsentation des MTV Unplugged Konzertes war. Songs wie „The good fight“, „Again I go unnoticed“, „The places you have come to fear the most“ und „Stolen“ waren alle dabei. Vom neuen Album stellten uns John und Chris unter anderem „Get me right“ und „Belle of the Boulevard“ vor. Letzteres wird auch die neue Single sein, die im April erscheinen soll. Obwohl das Album in Deutschland noch gar nicht erschienen ist, konnten sehr viele die Lieder mitsingen.
Abwechslungsreich wurde das Konzert als John eins seiner Solostücke vorstellte. Der Stil des Songs passte sehr gut zu Dashboard Confessional und war demnach auch kein Bruch, sondern fügte sich gut in die Setlist des Konzertes ein. Ein weiteres Highlight war die Interpretation von „El Scorcho“. Dieser gute-Laune-Song von Weezer gab dem ganzen Abend noch einen etwas amüsanten Touch und lockerte die Stimmung weiter auf. So waren dann alle total der positiven Stimmung verfallen, als es dann zum Abschluss kam.
Die einzige Zugabe des Abends war natürlich „Hands down“, dessen Ende dafür sehr ausgekostet wurde. Mit diesem großartigen Finale verschwanden die beiden dann und ließen glückliche, nichts außer den Merchstand vermissende Mädels, Jungs, Teenies und Erwachsene zurück.
Ach ja, wenn jemand drei verwirrte Jungs sieht, die zu Dashboard Confessional gehören, dann soll er oder sie die drei bitte zu Chris zurückbringen. Er hat sie wohl in Berlin verloren.

