Review
MORRISSEY “Swords”
18. November 2009 | Von Sara Henniges | Kategorie: Review
Was für ein Jahr für MORRISSEY-Fans! Nachdem in diesem Februar schon das famose „Years of Refusal“ erschienen ist, beglückt der Pope of Mope seine Fans dieser Tage auch noch mit einer B-Seitenkollektion mit den Songs von 2004 bis heute. Auch wenn nicht jedes Lied einen Platz auf einem regulären Album verdient hätte und selbst wenn die Lyrics nicht immer die Brillanz aufweisen, die man von Moz eigentlich gewöhnt ist („And you slipped right through my fingers – not literally, but metaphorically“ – ach so, wirklich?), finden sich einige Perlen auf Swords: Ganglord, My Dearest Love und Sweetie Pie sind die absoluten Highlights. Gerade Letzteres ist auch musikalisch eine Herausforderung. Da verzerren sich Stimmen über einem abstrakten Klangteppich und im Hintergrund kreischt die unvermeidliche Kristeen Young. Gerade in diesen Momenten wird denjenigen, die ständig anprangern, MORRISSEYs Comebackplatten hörten sich alle gleich produziert an, der Wind aus den Segeln genommen!
Viel wichtiger als die Produktion sind aber natürlich die Texte. Nicht umsonst heißt die Compilation „Swords“ – es sind eben MORRISSEY‘S words. Die Themen bleiben gleich – aber würde MORRISSEY plötzlich nicht mehr davon singen, dass er alleine und unverstanden ist und würde er nicht die Ungerechtigkeiten, die er erlebt, anprangern, wäre die Welt wahrscheinlich aus den Fugen geraten. Fakt ist: MORRISSEY ist und bleibt ein Teenager, gefangen im Körper eines 50-jährigen Mannes. Ein sehr intelligenter Teenager zwar, aber seine Sorgen und Nöte haben sich in den letzten Jahren nicht weiter geändert. Müssen sie auch nicht. Denn die scheinbar adoleszenten Probleme, die MORRISSEY immer wieder artikuliert, verschwinden doch nicht so einfach im Alter, wie manch einer sich das gerne weismachen würde. Unerfüllte Liebe und Selbstzweifel (bis hin zum Selbsthass) finden sich immer wieder in seinen Texten. In Friday Mourning heißt es da beispielsweise: “And I will never stand naked in front of you, or if I do it won’t be for a long time.“Auch das Gefühl von allen missverstanden zu werden, findet sich, allerdings nicht ohne die gehörige Prise Selbstbeweihräucherung: „People think badly of me. But when I’m in my grave maybe they’ll praise.“ (I Knew I Was Next).
Generell ist es dann auch egal was man zum Beispiel von schwächeren Songs, wie vom Bowie-Cover Drive-In Saturday oder dem obsoleten Teenage Dad On His Estate, halten mag – Swords ist ein Pflichtkauf für die Fans, die nicht alle Singles seit 2004 erworben haben und die mit dieser Compilation eine sinnvolle Ergänzung zu den regulären Alben angeboten bekommen. Das Album ist erhältlich als normale CD-Ausgabe, als CD-Special-Edition mit Bonus-Live-CD von der Tour of REFUSAL im Juni 2009 und als schicke 2 LP-Vinyl-Ausgabe.
Release Date
26.10.2009Rating (8 von 10)
★★★★★★★★★★

