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Live

La Pampa Festival 10-12/07 2009

Kleines Festival ganz groß

2. August 2009 | Von Martin Jagusch | Kategorie: Live

ONE IN A BILLION berichtet vom La Pampa Festival 2009, einem der schönsten Festivals des Jahres. Herrliche Location, großartige Bands, eine überschaubare, angenehme Anzahl an ebenso angenehmen Besuchern und viel Liebe zum Detail.

La Pampa Festival 2009

EINLEITUNG / ANFAHRT

Wir starteten am Donnerstagabend, zusammen mit Jens vom Blueprint-Fanzine und Bianca, die eine 3/4 Stunde vor Abfahrt den Platz ihrer krankheitsbedingt ausgefallenen Kollegin einnahm; das ist spontan, oder? Regen beim Start in Hamburg und ein Wetterbericht, der für Görlitz viel Regen im Angebot hatte, ließ eine Schlammschlacht befürchten. Erstes Etappenziel unserer Reise: Berlin-Mitte mit Punkrock-Imbiss in der Kultpizzeria “I Due Forni”. Unsere Schlafgelegenheit für diese Nacht praktischer Weise direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite – Gute Nacht.

bianca

Bianca, die Fotografin vom Blueprint-Fanzine

Am nächsten Morgen erstmal gut frühstücken (Danke Rilana und gute Besserung!) und wieder ab auf die Piste. Gerade mal 2:45 Stunden zeigte unser Navi von Berlin nach Görlitz. Der Ausblick von der Autobahn auf die wunderschöne Landschaft von Brandenburg und Sachsen, sowie die Vorfreude aufs Festival ließ die Fahrzeit wie im Flug vergehen. Natur pur so weit das Auge reicht. Kurz vor dem Ziel gings durch das malerische Städtchen Görlitz, vorbei an einer Vielzahl von prunkvoll verzierten Jugendstilvillen, leider viele davon stark baufällig, aber dennoch ein echter Hingucker für architekturinteressierte Pampanauten (So nennt man die Besucher des La Pampa Festivals) …

ANKUNFT / ZELTPLATZ

Ankunft auf dem Festival-Gelände am Freibad Hagenwerder, nur 500 Meter entfernt vom polnischen Grenzübergang. Wir entschieden uns für “leise Campen” etwas abseits der Bühnen und platzierten unser kleines Lager Blueprint / ONE IN A BILLION in die Nähe der bis dato wenigen anderen schon aufgebauten Zelte. Nachdem wir unsere Presseausweise mit praktischem Kapselheber am Halsband abgeholt und einen herrenlosen Grill vom Müll zu unserem Eigentum erklärt hatten, noch mal kurz mit dem Auto in die Stadt, mit Lebensmitteln und etwas Taschengeld eingedeckt und zurück zum Zeltplatz. Der hatte sich in der Zwischenzeit gut gefüllt. Nur leider sah unser Pavillion-Zelt nun etwas geknickt aus. Diagnose: „Versagen des Tragwerks resultierend aus großer Beanspruchung infolge Windlast“. Is klar, oder? Nach notdürftiger Schadensbegrenzung, noch eben den Grill angeschmissen und dann nix wie rein ins Vergnügen …

DIE BANDS AM ERSTEN ABEND

THE FRIENDLINESS IS GOING HAPPY

THE FRIENDLINESS IS GOING HAPPY

Nachdem schon am Nachmittag die ersten DJs in der Lounge am See ihre Platten aufgelegt hatten, wurde der Live-Musik-Teil des Indie-, Elektro-, Posthardcore-, Noise-Spektakels La Pampa 2009 um 19:00 Uhr von der Band THE FRIENDLINESS IS GOING HAPPY auf der Hauptbühne eröffnet. Das Trio aus Dresden überzeugte instrumental mit ruhigen, vertrackten Riffs a la TER HAAR oder MOGWAI. Und auch wenn einige Pampanauten THE FRIENDLINESS IS GOING HAPPY leider nur aus der Ferne vom Zeltplatz verfolgten, war der Auftritt eine perfekte Einleitung für einen gelungenen Festival-Abend. Wir waren absolut begeistert und so fand das zudem noch günstige Demo dieser tollen Band den Weg ins private ONE IN A BILLION Plattenregal. Schlagzeuger Roman von THE FRIENDLINESS IS GOING HAPPY war übrigens einer der drei Initiatoren, die das La Pampa Festival letztes Jahr zum ersten Mal auf die Beine gestellt haben.
(http://www.myspace.com/thefriendlinessisgoinghappy)

Den Auftritt von ME SUCCEEDS aus Hamburg haben wir dann leider verpasst, weil wir noch mal kurz den Grill angeschmissen hatten. Daher befragten wir später einen anscheinend etwas enttäuschten Fan der Band nach seinen Eindrücken von der Show. Er berichtete folgendes: „ME SUCCEEDS wurden in der Running Order etwas stiefmütterlich behandelt. Viel zu früh für eine Elektroband mit fast durchgängiger 4/4-Bassdrum, viel zu früh um eines ihrer von Melancholie und Charme durchsetzten Sets gebührend zu feiern, dass auf alle anbiedernden Animateur-Tricks verzichtet. Dafür braucht es die Dunkelheit eines Clubs, die Antithese zum noch hellen Bierzelt. Entsprechend zweischneidig das schon recht zahlreiche Publikum: Einerseits waren da solche, die schon Party machen wollten, andererseits jene, die sich im Introvertierten mehr wieder fanden. Erschwert wurde es beiden durch den Tontechniker, der anscheinend seine Ohren noch etwas schonen wollte. Da wäre mehr möglich gewesen.
(http://www.myspace.de/mesucceeds)

Kriton von EXITS TO FREEWAYS S.L.T.V.O.T.B.O.M.H. (mit Honig!)

Kriton von EXITS TO FREEWAYS S.L.T.V.O.T.B.O.M.H. (mit Honig!)

Zu Silkes und meinen persönlichen Highlights des La Pampa Festivals 2009 gehörte die im Anschluss auf der Hauptbühne spielende Band EXITS TO FREEWAYS aus Hamburg, das dritte Trio an des Abends. Zu diesem Zeitpunkt war es auf dem Gelände vor der großen Bühne bereits angenehm voll geworden, und die Band brachte mit Einflüssen aus Post-Hardcore, Math-Rock und Noise mit Songs voller Energie und wunderschönen Melodien, musikalisch oft am Rande des Wahnsinns das Publikum zum tanzen. Obwohl Sänger Kriton über Probleme mit seiner Stimme klagte, spielten EXITS TO FREEWAYS ein grandioses Set. Überhaupt waren sie dieses Jahr wohl die härteste Band auf dem La Pampa, aber definitiv sehr passend, und es war erneut eine große Freude einen Auftritt der Jungs zu erleben – fabelhaft!
(http://www.myspace.com/exitstofreeways)

THE AUDIENCE

THE AUDIENCE

Fast zeitgleich mit THE AUDIENCE aus Hersbruck setzte der Regen wieder ein und hielt leider für den Rest des Abends an. Also alle erstmal ab zur Zeltbühne, wo THE AUDIENCE mit einem Mix aus Elektro, Britpop und Postrock dem proper gefüllten Zelt ordentlich einheizten. Und zwar so sehr, dass Silke, der THE AUDIENCE sehr gut gefielen, inmitten der tanzenden Meute vor der Bühne Schwierigkeiten hatte, zu fotografieren.
(http://www.myspace.com/rocktheaudience)

Ich streifte inzwischen ein wenig übers Festival-Gelände und da gab es so einiges zu entdecken. Vor allem war hier große Liebe zum Detail zu erkennen. Zu essen und zu trinken gab es alles was das Herz begehrte und dies zu einem, für Festival-Verhältnisse, extrem fairen Preis; z.b. Bier 0,5 Liter für 2,50 EUR, allerdings nur, wenn man sich später von der Pfandmarke in Form eines La Pampa-Buttons im Wert von einem Euro trennen konnte. Überall auf dem Gelände rund um die Bühnen waren Lampions verteilt und ein Beamer projizierte ein farbiges Muster auf das sonst weiße Zeltbühnenzelt. Auch in die zum Teil selbstgebauten Verkaufsstände und Sitzgelegenheiten sind sicher viele Arbeitsstunden geflossen – charmant. Als besonderes Highlight sei hier vor allem die Pinkelrinne mit Blick auf die Hauptbühne erwähnt; So etwas wäre woanders wohl die VIP-Lounge gewesen. Leider wurde diese jedoch im späteren Verlauf des Abends zerstört und blieb damit für den Rest des Festivals geschlossen.

THE NOTWIST

THE NOTWIST

Weiter ging es auf der Hauptbühne mit einem der Headliner dieses Festivals. Aus Weilheim waren THE NOTWIST angereist, die ich das letzte Mal vor etwa 15 Jahren auf ihrer „Shrink“ Tour live gesehen habe und die für mich beim diesjährigen La Pampa definitiv begeistern konnten. Das sahen viele Festival Besucher wohl ähnlich, und so hatte die Anzahl der Zuschauer für diesen Abend trotz anhaltendem Regen nun ihren Höhepunkt erreicht. Der Sound war einfach fantastisch. THE NOTWIST wechselten immer wieder zwischen Gitarrenparts und Synthpassagen bzw. der Drummer zwischen Akustikset und E-Drum-Pad, und wer nicht genau hinsah und hinhörte konnte kaum ausmachen, wann diese Wechsel stattfanden. Console, einer der Herren NOTWIST, nutzte sogar  Nintendos Wii-Controller auf der Bühne als Steuerungsinstrument, was lustig anzuschauen und beeindruckend zu gleich war. Für den Rest des Abends ging mir mein persönlicher Lieblingssong „Pick Up The Phone“ vom Album „Neon Golden“ nicht mehr aus dem Ohr.
(http://www.myspace.com/thenotwistnow)

Im Anschluss an THE NOTWIST spielten PITCHTUNER aus Berlin, Dresden und Osaka im Zelt. Da Silke und ich mit dem hier dargebotenen Elektro-LoFi-Rock nur wenig anfangen konnten und Nässe und Kälte so langsam unangenehm wurden, wärmten wir uns mit Crêpes und Burger ein wenig auf.
(http://www.myspace.com/pitchtuner)

Als letzte Band des Abends setzten sich schliesslich BONAPARTE aus Berlin (und anderen Teilen der Welt) auf der Hauptbühne in Szene. Inzwischen war der Timetable soweit nach hinten verrutscht, dass ihre Show statt wie geplant um 1:00 Uhr erst um 1:45 Uhr beginnen konnte. Wir haben nicht herausgefunden wer die kleine, gelbe Pille genascht hat, aber der ein oder andere da auf der Bühne kam schon dafür in Frage; die Performance von BONAPARTE war einfach nur schräg. Strippend und mit blinkenden Masken untermalten sie ihren musikalisch manchmal grenzwertigen Elektro-Trash-Punk-Sound, dabei herausragend ihre Hits „Anti Anti“ und „Who Took The Pill“ mit großem Ohrwurm-Potential.
(http://www.myspace.com/findingbonaparte)

ZWEITER TAG

Wer sich für „lauter“ Campen entschieden hatte, der wird diese Nacht kaum ein Auge zu getan haben. Selbst bei uns am „leiseren“ Zeltplatz waren die meist monotonen Beats die von den DJs in der Lounge aufgelegt wurden noch laut und deutlich zu hören und das durchgehend mit nur einer kurzen Unterbrechung zwischen 7 und 8 Uhr. Als Frühaufsteher erreichten wir die Duschen der direkt neben dem Zeltplatz liegenden Sportanlage zusammen mit einem weiteren Pärchen als erste. Und obwohl wir eine halbe Stunde vor der eigentlichen Öffnung der Duschen dort ankamen, schloss uns ein freundlicher Hausmeister mit sächsischem Akzent die Tür auf: „Ich müsste das hier eigentlich gar nicht machen. Das mach ich freiwillig! Die haben euch doch gesagt, dass hier Männlein und Weiblein zusammen duschen?!“, und im Einvernehmen mit dem fremden Pärchen, entgegen aller Woodstock-Conventionen entschieden wir uns für erst Weiblein, dann Männlein, nacheinander.

Die schöne Innenstadt von Görlitz, wo wir zum Frühstück hinfuhren, hinterließ bleibende Eindrücke: Vor allem eine Klofrau, bärtiger als Jens und ich zusammen, und ein Markt mit Klamottenständen fernab jeglicher Mode (oder kommt das vielleicht erst noch?) bleibt in Erinnerung. Auf der Rückfahrt noch mal kurz mit Lebensmitteln eingedeckt, Plastikgabeln beim Dönermann geschnorrt und wieder ab aufs Festivalgelände.

DIE BANDS AM ZWEITEN TAG

VIERKANTTRETLAGER aus Husum, die diesen Tag live-mässig um 15:00 Uhr auf der Zeltbühne eröffneten, haben wir leider verpasst.
(http://www.myspace.com/vierkanttretlager)

Aber bei ZEBU!, die im Anschluss auf der Hauptbühne performten, waren wir anwesend. Das Duo aus Amherst/Massachusetts/USA, welches bereits durch die schräge Ankündigung für THE NOTWIST vor dem Festival aufgefallen war, setzte seine Verrücktheit auch auf der Bühne fort. Geboten wurde eine Mischung aus Noise und Punk. Während der Gitarrist im Talar spielte, bediente der Schlagzeuger neben seinen Drums auch den Bass mit den Sticks. Zu guter letzt mussten sowohl Bass, als auch Gitarre dran glauben, und so fielen sie dem harten Bühnenboden und einer kleinen Axt zum Opfer. Noch mit offenem Mund kaufte ich am Merchstand eine CD der Jungs. Wow! Insider versorgten uns anschließend noch mit folgenden Infos zu ZEBU!: Angeblich trägt der Gitarrist den Talar als Lehrer auch beruflich und angeblich planten ZEBU! am nächsten Tag eine Aufnahme in der nahe gelegenen Kraftwerk-Ruine aufgrund der dort vorherrschenden sieben Sekunden Hall – Aber mal ehrlich: Womit wollen ZEBU! nach dem Instrumenten-Masaker noch aufnehmen, und wer kann sich den Wahnsinnigen im Talar als Lehrer vorstellen … Wir nicht!
(http://www.myspace.com/ubezzebu)

Sehr viel ruhiger und gediegener ging es dann bei A HEART IS AN AIRPORT auf der Zeltbühne zu, und so lieferten die vier Jungs aus Leipzig mit ihrem melancholischen Gitarrenpop die perfekte Untermalung während wir draußen vor dem Zelt die Sonne genossen.
(http://www.myspace.com/aheartisanairport) / (Emo-Bandname-Generator) ;-)

Da GARDA aus Dresden, die im Anschluss auf der Hauptbühne spielten, die Melancholie noch um einiges zu steigern wussten, beschlossen wir einen kleinen Abstecher zum See zu machen.
(http://www.myspace.com/gardamusic)

FREIBAD HAGENWERDER / DER SEE

FREIBAD HAGENWERDER / DER SEE

Das Bühnengelände lag unmittelbar neben dem See, also dem eigentlichen Freibad Hagenwerder. An seinen Ufern befanden sich neben Lounge, Volleyballfeld und Kino die Zelte der Unermüdlichen, die sich für „lauter“ Campen entschieden hatten. Jetzt, da die Sonne endlich schien, gab es hier viele Menschen, die bekleidet oder unbekleidet im See badeten oder einfach nur am Ufer in der Sonne lagen. Die Bar auf einer schwimmenden Insel auf dem See hatte leider geschlossen.

Zu PAVILON M2 aus der Tschechischen Republik fanden wir uns wieder im Zeltbühnenzelt ein. RADIOHEAD ließ grüssen und wieder einmal war es hier vor allem der Drummer der Band, der mit seinen vertrakten Beats wirklich begeistern konnte. Tolle Musik, tolle Band! Aber sagt mal, habt Ihr Euch mit ZEBU! bei den Covern Eurer Alben eigentlich abgesprochen? Wir können hier deutlich Parallelen entdecken! [Fotos folgen!]
(http://www.myspace.com/pavilonm2)

THE GREAT BERTOLINIS

THE GREAT BERTHOLINIS

Als Ersatz für die leider erkrankte CLARA LUZIA waren kurzfristig THE GREAT BERTHOLINIS eingesprungen. Gerade als sich das achtköpfige Orchester komplett auf der Bühne eingefunden hatte um ihren Indie-Rock mit osteuropäischem Touch zum Besten zu geben, meldete mein Magen ein leichtes Hungergefühl und wir beschlossen zum Zelt zu gehen und zu grillen.
(http://www.myspace.com/thegreatbertholinis)

Während JA, PANIK aus Österreich und CLICKCLICKDECKER sowie DER TANTE RENATE aus unserer Heimat Hamburg spielten, saßen wir vor unserem Zelt und grillten. Die schöne Sonne war nun wieder einem grauen Himmel gewichen und im weiteren Verlauf setzte dann wieder Regen ein.

Wer wissen möchte wie PORTUGAL THE MAN, POPULAR DAMAGE und +/- {PLUS/MINUS} waren, muss das ab hier beim Blueprint-Fanzine nachlesen. Jens und Bianca haben sich auch durch den Regen nicht abhalten lassen und können daher berichten: http://www.blueprint-fanzine.de/. Wir haben uns an diesem Abend nicht mehr überwinden können, raus in den Regen zu gehen und sind im Zelt geblieben!

Schade, dass das Wetter nicht die ganze Zeit mitgespielt hat. Trotzdem hat uns das kleine, überschaubare Festival rundum begeistert und nächstes Jahr sind wir bestimmt wieder dabei. Danke, La Pampa – Ihr wart großartig!

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